Bali – Insel der Götter und 1000 Gewürze

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Eine üppige tropische Landschaft liegt mir zu Füßen, als ich vom Hügel hinunter blicke. Am Horizont ist der Indische Ozean zu erahnen. Die feucht-schwüle, vom intensiven Geruch nach Räucherstäbchen geschwängerte Luft macht mir zu schaffen. Zwischen den Bäumen steigt Nebel gen Himmel auf und die Landschaft erhält einen mystischen Touch. Und plötzlich kann ich erahnen, warum Bali als Sitz der Götter und Dämonen bezeichnet wird. Die Balinesen ehren ihre Götter und besänftigen gleichzeitig die Dämonen mit Opfergaben. Unzählige, wunderschöne geflochtene kleine Körbchen aus Palmen- oder Bananenblättern, gefüllt mit Blüten, Reis und Räucherstäbchen schmücken die Straßen. Man muss darauf achten, wohin man tritt, um die kleinen Kunstwerke nicht zu zerstören.

Opfergaben
kleine Kunstwerke säumen Balis Straßen

Ketut, mein Begleiter, erklärt mir, dass hier im Norden der zu Indonesien gehörenden Insel Landwirtschaft eine bedeutende Rolle spielt. Neben Kaffee, Kokosnüssen und Gewürzen wird vorwiegend Reis, als eines der wichtigsten Exportgüter, angebaut. Auf imposanten Reisterrassen, die seit 2012 zum UNESCO Weltkulturerbe zählen, wird die uralte Tradition des Reisanbaus geplegt. Gearbeitet wird im Feld vorwiegend mit Ochs und Pflug wie vor 100 Jahren. Reis ist mehr als nur Grundnahrungsmittel, wer keinen Reis isst, kann nicht satt sein, meinen die Balinesen.

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Die schönsten Reisfelder Balis in der Nähe von Ubud

Ketut zeigt mir Kaffeeplanzen und Vanille-Sträucher, schneidet für mich eine Kakao-Schote auf und lässt mich an den Bohnen schnuppern, die weniger intensiv als erwartet  nach Schokolade riechen. Herrlich duftende, überreife Mangos fallen hier unbeachtet von den Bäumen wie zuhause die Zwetschken.

Bali wartet mit einer kulinarischen Besonderheit auf – Kopi Luwak, den teuersten Kaffee der Welt bekommt man auf Bali zu kosten. Zwischen 800 und 1000 Euro bezahlen Liebhaber für ein Kilo der Delikatesse. Schleichkatzen fressen die Kaffeekirschen und scheiden diese im fermentierten Zustand wieder aus. Der Kot der Schleichkatzen wird gesammelt, gesäubert und die Bohnen im Anschluss geröstet. Die in den Bohnen enthaltenen Bitterstoffe werden im Verdauungsprozess gespalten – dadurch entsteht das einzigartige Aroma. Von Karamell-Noten ist die Rede, von feiner Säure am Gaumen schwärmen Liebhaber – für mich ist kein großer Unterschied bemerkbar. Wohlschmeckend ist der  Katzenkaffee in meinen Augen genauso wenig. Viel mehr mache ich mir über die oft tierquälerische Haltung der Schleichkatzen in Gefangenschaft Gedanken – die Nachfrage nach der Delikatesse ist groß, das Angebot von im Wald gesammelten Bohnen von wildlebenden Tieren denkbar klein.

Kaffee Bali
Arabica Kaffee Pflanzen im balinesischen Hochland

Wir fahren weiter in Richtung des örtlichen Marktes. An den Straßen säumen sich so genannte Warungs, kleine, für Südostasien typische Koch- und Verkaufsstände  auf Rädern. Warungs bieten einem die Möglichkeit original landesübliche Kost für kleines Geld zu probieren. Es entgeht einem sehr viel, wenn man sich nicht traut, die Köstlichkeiten zu kosten. Es gilt die Faustregel: wo viel los ist, kann das Essen ohne Bedenken verkostet werden. Verkauft werden beispielsweise die für Indonesien berühmten Sate-Spieße, also Hühner- oder Fischspieße, serviert mit einer köstlichen Erdnuss-Sauce.

Am örtlichen Markt bietet sich mir ein beeindruckendes Bild: bunt gekleidete Frauen verkaufen Früchte und Gemüsesorten, von denen ich viele noch nie gesehen, geschweige denn gekostet habe. Mangostane, Schlangenhautfrucht, Tamarinden, Galgant-Wurzeln, grüne herrlich duftende vollreife Bananen, Kurkuma-Wurzeln, Gewürz-Lilien, Guaven. Ketut kichert und gibt mir ein Stück von einer stacheligen Frucht in die Hand und bedeutet mir, davon zu kosten. Der Geruch nach Erbrochenem dreht mir den Magen um und es fällt mir schwer zu glauben, dass die Durian-Frucht in Asien als Delikatesse gilt. Meine Neugierde trotzt dem beißenden Geruch und ich überwinde mich – und tatsächlich schmeckt Durian nach einer Mischung aus Vanillepudding und Karamellzuckerln.

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Herrliches duftendes Obst…
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…und Gemüse werden zum Verkauf angeboten
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besonders in den frühen Morgenstunden herrscht am örtlichen Markt reges Treiben

Märkte, insbesondere Fleisch- und Fischmärkte, können in Asien mitunter nichts für schwache Nerven sein. Das ist auch auf Bali der Fall – zumindest in den wenig touristischen Gegenden. Der Boden ist verschmutzt mit einer Mischung aus Tierblut und Fischresten, streunende Hunde, die zwischen den Ständen laufen, lebende Tiere werden zum Verkauf angeboten, bestialischer Geruch hängt in der Luft…Mein Magen macht sich wieder bemerkbar, ich muss mir die Nase zuhalten und laufe zurück in Richtung Gewürzstände. Dort fühle ich mich bedeutend wohler.

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Fisch- und Fleischmärkte sind in Südostasien nichts für schwache Mägen

Das Bali auch als Insel der 1000 Gewürze bekannt ist, wird mir hier klar. Auf den Marktständen türmen sich Unmengen an verschiedenen Gewürzen, es durftet herrlich. Zimt, Kardamom, Kurkuma, Nelken, Chilli, Pfeffer, Lemongras, Ingwer und Vanille-Schoten werden portioniert zu Preisen verkauft, von denen man in Europa nur träumen kann. Andere Gewürze konnte ich kürzlich hier auf Bali kennen lernen, wie Gewürzlilien und die herb-süßliche Tamarinde. Der Inhalt vieler Säcke ist mir jedoch unbekannt.

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Gewürzliebhabern geht auf Bali das Herz auf

Abends erwartet mich in meiner kleinen Unterkunft bereits ein von Köchin Ketut herrlich zubereitetes Abendessen. Auf Bananenblatt gegarter Seefisch, Tempeh (knusprig gebratene, fermentierte Sojabohnen), gedämpftes Gemüse mit Cashew Kernen, Salat, der obligatorische Reis und das Wasser einer grünen, unreifen Kokosnuss – das Allheilmittel der Balinesen. Zum Nachtisch erwartet mich Dadar Gulung, eine von Pandan-Blättern grün gefärbte und mit Kokos gefüllte Palatschinke. Optisch ungewöhnlich, aber köstlich!

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ein balinesisches Festmahl
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herrlich knuspriger Seefisch

Auf Bali bekennen sich jedoch mehr als 90 Prozent der Bevölkerung zum Hinduismus. Hingegen dessen leben in Indonesien so viele Muslime wie sonst nirgendwo. Bali ist somit auch in kulturellem und religiösen Kotext eine Insel in Indonesien. Viele Volksgruppen liesen sich auf Bali nieder: Inder, Portugiesen, Chinesen, Japaner und natürlich die Niederländer, die Indonesien unter ihre Kolonialmacht gebracht haben. So vielseitig die Kultur Balis ist, so vielseitig ist auch ihre Küche – nachhaltig geprägt von der Vergangenheit der Insel und den Volksgruppen, die sich auf Bali nieder gelassen und ihre Speisen mitgebracht hatten. Gewürze sind sehr bedeutend in der balinesischen Küche. Oft sind Gerichte sehr scharf mit Chilli gewürzt – die desinfizierende Wirkung ist ein praktischer Nebeneffekt.

Die balinesische Küche bietet ein vielfältiges Repertoire an köstlichen Fisch-, Fleisch- und Gemüse-Gerichten. Fleisch spielt eher eine untergeordnete Rolle, da es vergleichsweise teuer ist. Hauptbestandteil eines typisch balinesischen Gerichtes sind Reis und verschiedenste Gemüsesorten. Klassiker köstliche scharfe Currys, Klassiker, wie Gado Gado, Nasi Goreng (typisch indonesisches Gericht aus gebratenem Reis) oder Bami Goreng (das Pandeau zu Nasi Goreng aus gebratenen Nudeln). Da sich die meisten Balinesen zum Hinduismus bekennen ist Rindfleisch rar.

Gut zu wissen

  • Entgegen aller Ratschläge habe ich Bali in der Regenzeit, also in der Zeit des europäischen Winters bereist. Von November bis April herrscht auf Bali Nebensaison. Für mich die idealste Reisezeit: günstigere Preise für Flüge und Unterkünfte. Nur wenige Touristen bereisen in der Regenzeit die tropische Insel, an vielen Orten ist man fast alleine.  Tägliche, meist kurze Regenschauer schränkten mich auf meiner Reise kaum ein, mehr brachten diese eine willkommene, kurze Erfrischung. So sieht es im Übrigen aus, sollte es doch mal stärker regnen:
  • Ihr solltet unbedingt Fast Food-Ketten, wie MacDonalds, Pizza Hut, etc. die vor allem rund um den touristischen Hotspot Kuta und Seminyak sesshaft wurden, links liegen lassen. Traut euch und probiert authentisches balinesisches Essen bei einem Warung (Straßen-Verkaufsstand).
  • Wer genauso frisches, exotisches Obst liebt, wie ich, kommt auf Bali voll auf seine Kosten. So stellt man sich das Schlaraffenland vor, wenn man vom Schlafzimmer-Fenster aus eine reife Mango vom Baum pflücken kann. Wie in vielen Urlaubsländern sollte man auch auf Bali darauf achten, Obst möglichst vor dem Verzehr zu schälen, da es mit verunreinigtem Wasser in Berührung gekommen sein könnte. Es gilt die Faustregel: Cook it, peel it or leave it (Koche es, schäle es oder vergiss´ es)!

Alles Liebe,

Verena

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Ein Kommentar auch kommentieren

  1. G.K. sagt:

    Danke liebe Verena für deinen wunderbaren Bericht über Bali! Gratulation zu den beeindruckenden wunderschönen Fotos! Glg G.K.

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