BIO-Spargel aus dem Weinviertel

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Die Familie Malafa, die den Familienbetrieb „Malafa – der Bio-Spargelbauer“ in Goldgeben im Weinviertel führt, blickt auf eine 150jährige Tradition im Spargelanbau. Gerhard Malafa verzichtet dabei gänzlich auf künstliche und chemische Hilfsmittel bei der Düngung und Bewässerung. Home is where my Kitchen is durfte dem Traditionsbetrieb einen kulinarischen Besuch abstatten und blickte beim Spargelstechen am Feld über die Schulter.

Ungewöhnlich kalt ist es an diesem Sonntagmorgen Ende April. Frostige 3 Grad Celsius zeigt das Thermometer an. Die Sonne lässt sich zwar zum ersten Mal seit einigen Tagen wieder blicken, dennoch ist es viel zu kalt für den kälteempfindlichen Spargel.  „Spargel kann erst ab rund 12 Grad Celsius wachsen. Die Ernte musste auf Nachmittag verschoben werden, hoffentlich ist es dann wärmer“, erklärt Gerhard Malafa. Am Nachmittag wird es tatsächlich wärmer und die Ernte am Feld und die Fertigung in der Halle können auf Hochbetrieb laufen. Doch dazu später.

In Goldgeben im Weinviertel befindet sich der Spargelbetrieb der Familie Malafa

Zuvor nimmt sich Gerhard Malafa ausführlich für meinen Besuch Zeit – keine Selbstverständlichkeit angesichts dessen, dass wir uns inmitten der Spargel-Hochsaison befinden – und erzählt mir viel von seiner Arbeit im Betrieb, die er als seine „Leidenschaft“ bezeichnet. „Differenzieren Sie das Wort Leidenschaft mal aus. Leidenschaft zur Arbeit und zum Spargel schafft manchmal auch Leiden wie aktuell bei diesem nass-kalten Wetter.“ Wenn Gerhard Malafa von seiner Arbeit erzählt, merkt man nicht nur die Freude, die er nach Jahrzehnten im Betrieb behalten hat, sondern auch, wie sehr er sich mit seinem Produkt, dem Bio-Spargel identifiziert. Voller Stolz erzählt der, wie sich vor rund 150 Jahren sein aus dem heutigen Tschechien stammender Urgroßvater dem Spargelanbau widmete und um 1890 der aktuelle Standort gegründet wurde. Inzwischen hat sich der Betrieb zu einem großen Player im Spargelgeschäft entwickelt und zählt zu den Top 10 Produzenten Österreichs. Auf 48 Hektar Feld wird großteils weißer Spargel, sowie der nicht minder begehrte grüne Spargel kultiviert.

Auf rund 48 Hektar Grund kultiviert die Familie Malafa Spargel

In Deutschland ist Spargel das mit Abstand wichtigste Gemüse aus heimischem Anbau. Einen so großen Stellenwert – landwirtschaftlich gesehen – genießt der Spargel in Österreich nicht, die Nachfrage der Konsumenten ist jedoch groß. Gilt Spargel doch als äußerst edles, kalorienarmes und gesundes Gemüse. Weltweit gesehen wird vorwiegend grüner Spargel verzehrt, nur die Österreicher, die Deutschen, die Schweizer und die Franzosen essen lieber weißen Spargel.

Doch wodurch unterscheidet sich der weiße vom grünen Spargel? Um mir dies zu erklären, nimmt mich Gerhard Malafa mit auf seine Felder, wo unter Folientunneln bzw. folienbedeckten Erdwalle seine Schätze wachsen. Die Pflanze, aus welcher im Frühjahr die Spargelstangen treiben, ist dieselbe. Die Anbauweise macht den Unterschied aus.

Lichtgeschützt unter diesen schwarzen Folien wächst weißer Spargel

Gerhard Malafas geschulter Blick schweift über die Felder. Weißer Spargel wächst in Erdwalle lichtgeschützt unter der Erde. Gerät weißer Spargel mit Tageslicht in Berührung verfärbt er sich violett bzw. grün. Um ihn zusätzlich vor Sonnenlicht zu schützen, werden die Dämme mit dicker, schwarzer Folie bedeckt. Der Chef persönlich zeigt vor, wie Erntehelfer mit Hilfe von sogenannten Spargelspinnen die Folie abdecken, die weißen, edlen Stangen per Hand freischaufeln und geübt mit dem Spargelmesser herausstechen. Anschließend wird der Erdwall mit einer Kelle wieder geglättet und die Folie wieder darüber gezogen.

Hingegen wächst grüner Spargel an der Erdoberfläche und darf viel Sonne tanken. Das Sonnenlicht färbt den Spargel nicht nur saftig grün, sondern verleiht ihm auch einen aromatischen Geschmack.

Gerät weißer Spargel mit Sonnenlicht in Berührung, verfärbt er sich violett bzw. grün
Sogenannte Spargelspinnen dienen bei der Ernte dem Ab- und Zudecken mit Folie

Der Chef persönlich zeigt vor, wie Spargel geerntet wird. Erntehelfer decken mit Hilfe von sogenannten Spargelspinnen die Folie ab, schaufeln den Spargel per Hand frei und stechen geübt mit dem Spargelstechmesser die weißen, edlen Stangen heraus. Anschließend wird der Erdwall mit einer Kelle wieder geglättet und die Folie wieder darüber gezogen.

Weißer Spargel wächst lichtgeschützt unter der Erde. Nur die rechte Spargelstange kann geerntet werden, die linke ist noch zu klein
Spargelstechen – der Chef zeigt vor wie es geht
Das wichtigste Werkzeug eines Erntehelfers am Spargelfeld: das Spargelstechmesser

Am Nachmittag – es wurde tatsächlich frühlingshaft warm – können die Erntehelfer übernehmen.

Erntehelfer stechen den Spargel

Im 30 Minuten-Takt wird der frisch gestochene Spargel vom Feld auf den Hof gebracht, wo er unverzüglich in der Produktionshalle weiterverarbeitet wird. Die frische Ware wird gewogen, gewaschen, nach Dicke, Länge und Gewicht sortiert, mit Eiswasser gekühlt, sauber angeschnitten, gebündelt und bei Bedarf etikettiert. Für manche Kunden, wie zB. Gasthäuser, wird der Spargel auf Wunsch geschält zum Verkauf angeboten.

Frisch gestochener Spargel vom Feld wartet darauf, in der Produktionshalle gewaschen zu werden
Nach Dicke und Länge sortiert wird der Spargel gebündelt

Ob Gerhard Malafa selbst, als langerfahrener Spargelbauer, Spargel überhaupt noch essen mag? Die Antwort mag durchaus überraschen: „Natürlich genießen wir die Spargelsaison noch immer in vollen Zügen. Unsere siebenköpfige Familie isst etwa drei Mal wöchentlich Spargel, da werden jedes Mal rund drei Kilo Spargel verkocht.“

Apropos Familie: der Spargelbetrieb Malafa – seit 150 Jahren in den Händen der Familie – wird auch weiterhin ein Familienbetrieb bleiben. Die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern. Sohn Richard arbeitet nebenbei am Hof mit und wird voraussichtlich von seinem Vater den Betrieb übernehmen. So, wie ihn einst Gerhard Malafa von seinem Vater übernahm.

Weitere Informationen

Spargel vom Spargelbauern Malafa kann direkt im Hofladen in Goldgeben einige Fahrminuten außerhalb von Stockerau bezogen werden. Der Hofladen des Betriebs hat während der Spargelsaison täglich von 08:00 – 19:00 Uhr geöffnet. Weitere Infos zum Hofladen: http://www.spargel-malafa.at/jcms/index.php/verkaufsstellen/saisonell

Auch auf mehreren niederösterreichischen Wochenmärkten wird der Spargel vom Malafa Spargelbauern zum Verkauf angeboten. Weitere Infos zum Spargelverkauf am Markt: http://www.spargel-malafa.at/jcms/index.php/verkaufsstellen/tulln

Der Ab-Hof Verkaufsladen des Spargelbauern Malafa
Bio-Spargel in allen Güteklassen wird im Hofladen verkauft

Mein persönliches Fazit

Der Besuch am Spargelhof Malafa war äußerst interessant und lehrreich. Gerhard Malafa hat sich viel Zeit für meinen Besuch genommen, obwohl Zeit eines Spargelbauers in der Spargelhochsaison ein rares Gut ist. Der Chef persönlich ließ es sich nicht nehmen, mir den Betrieb vorzustellen und von seiner Arbeit am Hof zu erzählen. In seinen Erzählungen vermittelt er glaubhaft, dass er voll hinter seinem Erzeugnis, dem Spargel, steht.

Der Spargel (Klasse „Classic“), den ich im Hofladen erwarb, schmeckte angenehm. Der grüne Spargel hatte ein intensives Aroma, der weiße Spargel schmeckte mild.

Besonders interessant war die Vorführung des Spargelstechens am Feld. Dort wurde mir bewusst, wie körperlich anstrengend die Arbeit am Spargelfeld für Erntehelfer ist.

Spargel wird fast ausschließlich per Hand kultiviert und geerntet, dadurch kann der relativ hohe Kilopreis argumentiert werden.

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